21.06.2009 Änderung der Ringkampfregeln
 

Im Anschluss an den Kongress, der 2008 in Peking stattfand, nahm das FILA Präsidium einige
Änderungen der Ringkampfregeln vor, welche allen nationalen Verbänden durch die
Rundschreiben vom 9. und 25. Februar 2009 mitgeteilt wurden. Diese Änderungen wurden
während aller internationalen Turniere und Kontinentalmeisterschaften 2009 auf den Prüfstand
gestellt und fanden volle Zustimmung.

Die Änderungen sind daher offiziell verabschiedet und müssen von heute an bei allen
internationalen Wettbewerben angewendet werden. Die Regeln werden bis zu den Olympischen
Spielen 2012 keine Änderungen mehr erfahren.

Die FILA wird im September 2009 eine neue Ausgabe der Regeln veröffentlichen.
 
 

A) FÜR ALLE STILARTEN IM RINGEN: FREISTIL, GRIECHISCH-RÖMISCH, FRAUENRINGEN

 
  1. Die Kampfgerichtsbarkeit

Das Kampfgericht setzt sich zusammen aus dem Kampfrichter, dem Punktrichter
und dem Mattenpräsidenten. Alle Entscheidungen müssen einstimmig oder mit einer
2:1 Mehrheit getroffen werden. Das Kampfgericht darf den Videobeweis nicht
hinzuziehen, um seine Entscheidungen zu treffen.
 
  2. Das Recht des Ringers – die «Challenge»

Die Challenge ist diejenige Aktion, die es dem Trainer erlaubt bei Meinungsverschiedenheit bezüglich der Entscheidung, im Namen des Ringers, das Geschehen zu unterbrechen und das Kampfgericht aufzufordern, den Videobeweis zu bemühen.

Diese Möglichkeit bietet sich nur bei Wettkämpfen, für die die Videoaufzeichnung formal von der FILA und dem Organisationskomitee festgeschrieben ist. Der Trainer muss die Challenge fordern indem er, unmittelbar nachdem das Kampfgericht die Punkte der fraglichen Situation gegeben hat, eine weiße Kelle hebt.

Sollte der Ringer mit der Entscheidung des Trainers nicht einverstanden sein, so wird der Kampf fortgesetzt.

Besondere Punkte:

- Jedem Ringer steht eine (1) Challenge pro Kampf zu. Wenn das Kampfgericht nach Überprüfung der Challenge seine Entscheidung ändert, kann die Challenge während des Kampfes wieder genutzt werden.

- Wenn das Kampfgericht oder das Berufungsgericht die Entscheidung bestätigt, verliert der Ringer die Challenge und sein Gegner erhält einen (1) technischen Punkt.

- Der Mattenpräsident stoppt den Kampf sobald die Situation auf der Matte neutral ist, um die Challenge zu überprüfen.

- Die Challenge kann nicht im Fall eines Schultersieges gefordert werden, dass heißt wenn der Schultersieg vom Mattenpräsidenten nach der Entscheidung des Kampfrichters oder des Punktrichters bestätigt wurde (diese Bestimmung erfordert eine Änderung des Artikels 44 der Ringkampfregeln).

- Der Trainer, welcher die Challenge fordert muss dies von seinem Platz aus tun, ohne sich dem Kampfrichter, dem Punktrichter oder dem Mattenpräsidenten zu nähern.

- Während der Ansicht der Challenge darf keine Beratung unter den Mitgliedern des Kampfgericht stattfinden.

- Nach einmaliger Ansicht der Aktion gibt der Kampfrichter seine Entscheidung zuerst bekannt, unmittelbar gefolgt vom Punktrichter, der seine Entscheidung mit dem ihm zur Verfügung stehenden Material (Kelle oder elektronisch) von seinem Platz aus bekannt gibt. Stimmt der Mattenpräsident zu, so gibt es keine weitere Intervention des Berufungsgerichts.

- Stimmt der Mattenpräsident dem Kampfrichter und dem Punktrichter nicht zu, so muss er die Meinung des Berufungsgerichts anfordern. In diesem Fall ist die Entscheidung des Berufungsgerichts, bestätigt durch den Mattenpräsidenten entgültig und kann zu keiner weiteren Challenge führen.

- Es ist nicht möglich, nachdem eine entgültige Entscheidung durch das Kampfgericht oder das Berufungsgericht gefällt worden ist, eine „Gegen-Challenge“ zu fordern.

- Die Challenge wird unmittelbar nachdem der Trainer die weiße Kelle gehoben hat berücksichtigt und kann von ihm nicht wieder zurückgenommen werden.
   
  3. Das Berufungsgericht

Das Berufungsgericht ist eine Gruppe kampfrichterlicher Experten, dessen Funktion darin besteht, sicherzustellen, dass die Ringkampfregeln während aller großen FILA Veranstaltungen, wie den Olympischen Spielen, den Welt- und Kontinentalmeisterschaften, den Welt Cups, den Golden Grand Prix Turnieren und besonderen Spielen strikt angewendet werden. Das Berufungsgericht wird durch den FILA-Präsidenten oder durch seinen Stellvertreter zusammengestellt und besteht aus drei (3) Personen, ausgewählt aus Instrukteuren, Präsidiumsmitgliedern oder Sachkundigen entsprechend der verschiedenen Kämpfe und Nationalitäten. Es gibt ein Berufungsgericht pro Matte.

Funktionen:

- Das Berufungsgericht ist dafür verantwortlich zu kontrollieren, ob die einen Ringkampf bestimmenden Regeln vom Kampfgericht angewendet wurden, bevor der Gewinner einer Runde oder des Kampfs durch den Mattenpräsidenten festgestellt wird.

- Ein Mitglied des Berufungsgerichts wird als Koordinator eingesetzt und ist dafür zuständig, die Entscheidungen des Berufungsgericht im Namen aller zu verkünden.

- Bemerkt das Berufungsgericht, dass ein schwerer administrativer, die Zeit betreffender oder den Score betreffender Fehler begangen wurde, so muss der Koordinator den Mattenpräsidenten darauf aufmerksam machen und dessen Berichtigung fordern.

- Bemerkt das Berufungsgericht, dass der Mattenpräsident den Kampf nach einer Aufforderung zur Challenge nicht angehalten hat, so muss der Koordinator ihn auffordern, dies unverzüglich nach Beendigung der Aktion zu tun.

- Während des Abspielen des Videobeweises darf das Berufungsgericht nicht mit dem Kampfgericht, welches seine Entscheidung allein fällen muss, sprechen.

- Wenn die Mehrheit des Kampfgerichts zu einer Übereinstimmung kommt (zwingend erforderliches Einverständnis des Mattenpräsidenten), darf das Berufungsgericht nicht intervenieren und die Entscheidung ist endgültig.

- Ist der Mattenpräsident nicht der selben Meinung wie der Kampfrichter und der Punktrichter, so muss er die Entscheidung des Berufungsgerichts anfordern und diese wird als endgültig und unumstößlich betrachtet.

- Ein kompletter Satz roter, blauer und weißer Kellen muss jedem Berufungsgericht zur Verfügung gestellt werden, damit dessen Entscheidung für jeden sichtbar ist.

- Keine weitere Anfechtung kann beim FILA Präsidium, dem internationalen Sportgerichtshof CAS, oder jedem anderen Gericht eingereicht werden, sobald eine Entscheidung vom Kampfgericht (mit Einverständnis des Mattenpräsidenten) oder dem Berufungsgericht gefällt wurde.

- Das FILA Präsidium kann ein Mitglied des Kampfgerichts oder des Berufungsgericht jederzeit aussondern wenn es befindet, dass ein schwerwiegender Fehler bezüglich der Anwendung der Regeln oder einer Entscheidung bei einer Challenge begangen wurde.

- Das Berufungsgericht ist ebenso dafür zuständig, die Arbeit der Kampfrichter zu bewerten und der FILA seine schriftliche Auswertung zukommen zu lassen.
   
  4. Bestrafung für negatives Ringen

Alle in den Ringkampfregeln vorgesehenen Bestrafungen für negatives Ringen und unerlaubte Griffe bleiben in Kraft; die Kampfrichter sollten sie jedoch strenger anwenden. Das heißt: eine verbale Verwarnung «attention» und falls die unerlaubte Handlung weitergeführt wird, dem schuldigen Ringer eine Strafe aussprechen und die entsprechenden Punkte an seinen Gegner vergeben.

Unerlaubte Handlungen beinhalten:

- Griffentzug
- Mattenflucht
- Mattenflucht nach angeordneter Zwiegriffposition
- offensichtliche Verweigerung, den Kontakt in der Standposition zu halten
- Untermann blockiert den Gegner, indem er die Beine anwinkelt oder anhebt im griechisch-römischen Stil

NB: Für Passivität wird keine Strafe verhängt oder technische Punkte an den
Gegner vergeben.
 
  B) NUR FÜR DEN GRIECHISCH-RÖMISCHEN RINGKAMPF
   
  Die griechisch-römischen Kämpfe werden immer noch mit 2 gewonnenen 2- minütigen Runden, aufgeteilt in 90 Sekunden regulären Ringens und 30 Sekunden angeordnetem Bodenkampf, gewonnen. Der Ringer in der Oberlage kann zwischen Einnahme des verkehrten Aushebers in seitlicher Position und der rückwärtigen Position, stehend oder mit einem Knie auf der Matte, seine Hände auf den Schultern des Gegners ruhend, wählen. In allen Runden hat der Ringer, der nach 90 Sekunden nach Punkten gewinnt den Vorteil der Oberlage und wird nicht bestraft
wenn er in den 30 Sekunden nicht punktet. In solchen Situationen, in denen der Obermann seine Position nicht vorantreibt, werden die Ringer wieder in die Standposition gebracht, um die Runde zu vollenden. Am Ende der 2 Minuten wird der Sieger der Runde festgestellt.

Wenn nach 90 Sekunden ein Punktgleichstand von 0-0 besteht, so wird der Vorteil der Oberlage an den roten Ringer gegeben und falls sich die Situation in einer zweiten Runde wiederholt, so wird der Vorteil der Oberlage an den blauen Ringer vergeben. Wird die Bodenlage nach einem 0-0 Punktestand angeordnet, muss der Obermann punkten, um die Runde zu gewinnen. Sollte der Obermann keinen Punkt erzielen, so erhält der Untermann 1 Punkt und gewinnt die Runde.

Hat jeder Ringer eine Runde gewonnen und in der dritten Runde herrscht ein Punktgleichstand von 0-0, so hat derjenige Ringer, der die höchste Anzahl an technischen Punkten in den ersten beiden Runden (zusammengerechnet) errungen hat, die Wahl der Position Ober- oder Unterlage. Sollten beide Ringer die gleiche Anzahl technischer Punkte errungen haben, werden die folgenden Kriterien berücksichtigt:

1) Anzahl der Strafen, 2) Punktwerte, 3) Los

Falls kein technischer Punkt in den 30 Sekunden errungen wird, so geht 1 Punkt an
den Untermann und er wird zum Gewinner des Kampfes erklärt.
 

 
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